Eröffnung am Sonntag, den 6. September 2026 um 14 Uhr
Begrüßung und Einführung 14:30 Uhr
Manche Bilder erzählen Geschichten. Andere wecken Erinnerungen, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie in uns tragen. Die Malerei von Liv Jung-König bewegt sich genau in diesem Zwischenraum: zwischen Erinnerung und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit, Mensch und Natur.
Mit „Wald Wiese Mensch“ zeigt die Emmanuel Walderdorff Galerie die erste Einzelausstellung der Malerin Liv Jung-König. Die umfassende Ausstellung verbindet die beiden zentralen Themen ihres Schaffens: Mensch und Landschaft. Entsprechend verteilen sich ihre Werke auf die beiden Ausstellungsräume des Hofguts in Molsberg. In der Galerie sind ihre Menschenbilder zu sehen und in der Scheune die Landschaften.
Liv Jung-König ist Autodidaktin. Sie malt intuitiv, folgt keinem festen Plan und vertraut ihrem Gefühl. Diese Freiheit zeigt sich auch in ihrer großen Experimentierfreude. Vor einigen Jahren entwickelte sie eine einzigartige Technik, die ihre Arbeiten unverwechselbar macht: ihre sogenannten Faltbilder. Auf unaufgespannte Leinwand gemalt, werden die Arbeiten nach ihrer Fertigstellung horizontal oder vertikal gefaltet. Die so entstandenen Strukturen verleihen den Bildern eine besondere Lebendigkeit und Tiefe und lassen die Oberfläche förmlich in Bewegung geraten.
Im Zentrum ihrer Landschaftsmalerei steht nicht die unmittelbare Beobachtung der Natur, sondern deren Erinnerung. Liv Jung-König malt weder nach Fotografien noch vor Ort. Ihre Bilder entstehen aus dem Inneren heraus, aus Erlebnissen, Stimmungen und Landschaftseindrücken, die sich über Jahre eingeprägt haben. Dadurch entwickeln ihre Arbeiten eine besondere Atmosphäre zwischen Wirklichkeit und Vorstellung. Ihre geheimnisvollen Wälder, Felder und Wiesen erinnern an die romantische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, lösen sich jedoch immer wieder auf. Gegenständlichkeit und Abstraktion bleiben dabei in einem spannungsreichen Gleichgewicht.
Auch in ihren Menschenbildern arbeitet Liv Jung-König mit dem Spannungsfeld von Erinnerung und Wiedererkennen. Vertraute Szenen und Bildmotive, die auf alten Fotografien beruhen, tauchen auf wie Fragmente eines Traums oder wie Bilder, die wir längst vergessen glaubten. Ausgehend von einem naturalistischen Ansatz verändert die Künstlerin ihre Motive im Malprozess, löst Zusammenhänge auf, verdichtet sie und setzt sie neu zusammen. So entstehen vielschichtige Werke voller Rätsel und Assoziationen, die sich einer eindeutigen Lesart entziehen. Gerade darin liegt die besondere Qualität ihrer Malerei.
Liv Jung-König, die 1985 geboren wurde und in Diez an der Lahn lebt, erzählt keineabgeschlossenen Geschichten. Stattdessen eröffnet sie Bildräume, in denen sich persönliche Erinnerungen mit Elementen des kollektiven Gedächtnisses verbinden. Ihre Werke wirken vertraut und fremd zugleich, poetisch und unmittelbar. Sie laden die Betrachtenden dazu ein, eigene Erinnerungen, Gefühle und Erfahrungen in den Bildern wiederzufinden.
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