Eröffnung: Sonntag, 19. Juli 2026, 11-16 Uhr
Begrüßung und Einführung 11:30 Uhr
Ausstellungsdauer bis 26.07.2026, täglich 17 bis 19 Uhr & auf Vereinbarung
SÄGEWERK RUMPLMAYR / AURACHMÜHL 3 / 4813 NEUKIRCHEN-ALTMÜNSTLER
SALZKAMMERGUT FESTWOCHEN GMUNDEN
Ein liminaler Raum bezeichnet in der Anthropologie einen Übergangszustand, in dem das Alte bereits verlassen wurde, während das Neue noch aussteht. Er beschreibt ein Dazwischen, einen Moment der Schwebe. Diesen Übergangszustand nicht als vorübergehende Phase, sondern als permanenten und produktiven Zustand zu begreifen, bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung Beyond Liminal des Künstlerduos Leonid Keller.
Im Zentrum der Ausstellung steht die präzise Rekonstruktion einer Jurte, des traditionellen mobilen Rundzelts zentralasiatischer Nomaden, in Form eines Jurtenskeletts. Diese fundamentlose Behausung wird zur begehbaren Metapher für eine Ethik des Werdens, innerhalb derer Identität nicht als fester, unveränderlicher Punkt begriffen wird.
Auch die im Inneren der offenen Struktur platzierte Skulptur CU29 greift diesen Gedanken des Dazwischens auf. Auf einer spiegelnden Kupferplatte im Format eines Gebetsteppichs liegen zwei Hände mit den Handflächen nach unten. Ihre Reflexion auf der glänzenden Oberfläche lässt im selben Moment das Bild gefalteter Hände entstehen. Benannt nach dem Elementsymbol für Kupfer verweist der Titel des Werks auf ein physikalisches Leitmedium und verkörpert so die Idee des permanenten Fließens und Transformierens. Durch das Ineinanderfließen der Gesten bricht das Werk mit eindeutigen Zuschreibungen und wird so zu einer lebendigen Karte von Übergängen.
In den Räumen des ehemaligen Sägewerks entfalten die weiteren Exponate einen direkten Resonanzraum zu diesem Zentrum. Als kommunizierendes Gefüge stehen alle Arbeiten in einem permanenten Dialog, der starre Festschreibungen auflöst. Das Künstlerduo Julia Ossko und Eugen Schulz lösen hierfür Bilder aus ihren ursprünglichen Kontexten, um sie in Form von Skulpturen, Siebdrucken, Collagen und Tuschearbeiten zu fiktionalen Erzählungen zu verdichten. So entstehen ambivalente Bildwelten, die Bedeutungen in der Schwebe halten und die Fragilität visueller Gewissheiten reflektieren. Das Hinsehen wird dabei zu einem aktiven, beziehungsstiftenden Prozess, der dazu einlädt, gewohnte Denkmuster konsequent zu entgrenzen und die Verantwortung für die Entstehung von Bedeutung selbst zu übernehmen.
Diesem Prozess des aktiven Hinsehens begegnet man unmittelbar in den drei großformatigen Tuschearbeiten, die auf Fotografien basierende Familienporträts zeigen. Ihr lebensgroßer Maßstab und der direkte Blickkontakt ziehen die Betrachtenden unweigerlich in das soziale Gefüge hinein und entwerfen Familie als offene, fluide Gemeinschaft jenseits biologischer Grenzen. Ergänzt werden sie durch eine Installation aus Ton geformter Shanyrags – des offenen Dachkranzes der Jurte, der als Symbol für Familie und Herkunft gilt.
Die ortsspezifische Installation MIOSIS schließlich verankert die Ausstellung im historischen Ort selbst. Die auf historischen Himmelsfotografien basierenden Siebdrucke brechen mit der Annahme, das Sichtbare bilde eine absolute Wahrheit, und zeigen, dass das vermeintlich Unsichtbare erst durch den aktiven Prozess des Hinsehens Wirklichkeit wird. Eine LED-Laufschrift mit dem Gedicht It is Stories and Beliefs begleitet die Arbeit und erweitert die Perspektive auf die Rolle des Sternenhimmels in Mythologie, Navigation und Spiritualität.
Kinderworkshop
Im Rahmen der Ausstellung sind Kinder zu einer vertieften Wahrnehmung von Kunst eingeladen. Der intensive Workshop ist in einen Wissensteil mit Schauen, Beschreiben und Deuten der Kunstwerke sowie einen Praxisteil mit elementaren künstlerischen Techniken gegliedert.
Workshop für Kinder von 5-8 Jahre / Di 21.07. / 9:30 bis 13:30 (45,- Euro)
Wir bitte um Anmeldung unter info@walderdorff.net (max. Teilnehmerzahl 12 Kinder)
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