Wir freuen uns, Carl Pfeils Neue Vorbilder vom 26. April bis 14. Juni in einer Einzelausstellung erstmals in unserer Galerie in Molsberg präsentieren zu dürfen.
Bei der Malerei des jungen Südtirolers Carl Pfeil führt schnell der Begriff Abstraktion ins Gespräch. Doch was meinen wir damit? Streng genommen wäre Abstraktion ein Bild, das von einem Gegenstand ausgeht und ihn als solcher erkennbar lässt. In der Kunstpraxis bedeutet Abstraktion oft etwas anderes: Ein Vor-Bild, das jenseits der Abbildung liegt – ein Ideal, das seit Beginn der Moderne Künstler inspiriert.
Jeder Pinselstrich hinterlässt eine Spur, eine Figurierung einer Bewegung, die uns zurückführt zur menschlichen Hand, die sie vollzog. So bleibt die Abstraktion für den Künstler eine Sisyphusaufgabe – immer im Prozess, nie vollständig abzuholen.
Carl Pfeil würdigt den Pinselstrich als Botschafter dieser Verbindung, feiert seine Bewegung und platziert seine Werke bewusst in der Grauzone zwischen Abstraktion und Erzählung. Begleitet von komplexen, lyrischen Herleitungen entstehen abstrakte Narrationen, ohne direkt von etwas zu erzählen. Die Dynamik der Bewegung begegnet uns als Kraft, die sich in uns hineinversetzt – eine Bewegung, die aus den inneren Unruhen des Künstlers zu stammen scheint und unsere assoziative Logik in Gang setzt.
Die groben schwarzen Striche auf monochromen Grundtönen entwickeln sich zu einem motivischen Konzentration mit tausend Facetten: Wege, Haken, Ausbuchtungen, Verfransungen, die wie Schriftzeichen einer längst vergessenen Sprache wirken. Immer wieder tauchen Kreuzungen auf – mal konstruiert, mal zufällig – die den Eindruck erwecken, Widerstände der Pinselstriche zu überwinden. Relikte einer Reise, ein Spektrum von Stimmungen: Blau, Rot und Lavendel bilden den breiten Hintergrund, vor dem sich diese Bilder entfalten.
In der Begegnung der einzelnen Striche und im Großen Ganzen entstehen Kreuzungen – Begegnungen zwischen Leben und anderem Leben, zwischen Innerem und Äußeren – die sich mit unseren eigenen inneren Bildern kreuzen.
Julius Tambornino 2026
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